Randy Manu Gyamenah, Gründer von Focused Plyrs

Schwacher Fuß: So trainierst du ihn, ohne dich zu blamieren

Der schwache Fuß ist der größte Hebel, den fast jeder Spieler liegen lässt – weil ein Fehlpass im Training sofort auffällt. Vier Stufen, ein Wochenplan und die drei Fehler, die dich aufhalten.

Wenn ich Spielern eine einzige Sache empfehlen dürfte, an der sie die nächsten drei Monate arbeiten, wäre es der schwache Fuß. Nicht weil es das Spektakulärste ist, sondern weil es der größte Unterschied ist, den du allein herstellen kannst – und weil ihn fast niemand macht.

Warum ihn fast niemand trainiert

Nicht aus Faulheit. Aus einem sehr menschlichen Grund: Ein Fehlpass mit dem schwachen Fuß fällt im Mannschaftstraining sofort auf. Der Trainer sieht es, die Mitspieler sehen es, und niemand will der sein, dem der Ball wegspringt. Also spielt man den sicheren Ball mit dem starken Fuß – und bleibt einfüßig.

Genau deshalb ist der schwache Fuß der einzige Bereich, in dem du allein im Vorteil bist. Auf dem Bolzplatz schaut dir keiner zu. Da darf der Ball wegspringen.

Was „beidfüßig“ realistisch heißt

Nicht: beide Füße gleich stark. Das schaffen die wenigsten Profis. Sondern: Dein schwacher Fuß muss brauchbar sein, nicht brillant.

Brauchbar bedeutet konkret drei Dinge:

Du kannst einen Ball über fünf bis zehn Meter sauber und mit Tempo passen. Du kannst einen Ball annehmen und in die Richtung mitnehmen, in die du weiterspielen willst. Du traust dich, im Spiel damit zu spielen, ohne vorher zu überlegen.

Das dritte ist das Entscheidende. Die meisten scheitern nicht an der Technik, sondern daran, dass sie im Spiel den halben Schritt machen, um den Ball auf den starken Fuß zu legen – und in diesem halben Schritt ist der Gegner da.

Die vier Stufen, in dieser Reihenfolge

Der häufigste Fehler ist, sofort mit Schüssen anzufangen. Schüsse sind die letzte Stufe, nicht die erste.

Stufe 1: Ballgefühl, ohne Ziel

Jonglieren nur mit dem schwachen Fuß. Sohlenrollen, Innenseite-Außenseite im Stand, den Ball von einem Fuß zum anderen und wieder zurück. Kein Ziel, keine Wiederholungszahl, einfach fünf Minuten Kontakt. Das fühlt sich am Anfang an, als wäre der Fuß nicht deiner. Das ist normal und geht weg.

Stufe 2: Passen gegen die Wand

Die wichtigste Stufe, und die, die am wenigsten Spaß macht. Zwei bis fünf Meter Abstand, Ball mit dem schwachen Fuß gegen die Wand, mit dem schwachen Fuß annehmen, wieder spielen.

Zähl nicht die Minuten, zähl saubere Wiederholungen. Zwanzig am Stück ohne Patzer – und wenn bei der vierzehnten der Ball wegspringt, fängst du wieder bei eins an. Das ist unbequem und genau deshalb wirkt es: Du trainierst nicht Wiederholung, du trainierst Zuverlässigkeit.

Wenn das sitzt, geh einen Schritt weiter: vor der Annahme kurz aufschauen, so wie du es im Spiel müsstest.

Stufe 3: Bewegung und Richtungswechsel

Vier bis sechs Hütchen, etwa zwei Meter Abstand, Slalom nur mit dem schwachen Fuß. Nicht auf Zeit – auf Sauberkeit. Danach eine feste Bewegung dazu: Sohlenzieher, Übersteiger, Ausfallschritt. Such dir eine aus und mach sie hundertmal, statt zehn verschiedene je zehnmal.

Stufe 4: Abschluss

Jetzt erst. Feste Distanz, feste Ecke, zehn Bälle, mitzählen wie viele treffen. Nächste Woche wieder – dann hast du eine Zahl statt eines Gefühls.

Wichtig: Beim Abschluss mit dem schwachen Fuß ist der Standfuß das Problem, nicht der Schussfuß. Wer sich nicht traut, das Gewicht auf den starken Fuß zu verlagern, schießt aus dem Stand und wundert sich, warum kein Druck dahinter ist.

Ein Wochenplan, der neben dem Verein funktioniert

Drei kurze Einheiten reichen. Länger als dreißig Minuten muss keine davon sein.

Einheit Inhalt Dauer
1 Stufe 1 und 2: Ballgefühl, dann Wandpassen 25 Min.
2 Stufe 2 und 3: Wandpassen, dann Hütchen und ein Richtungswechsel 30 Min.
3 Stufe 3 und 4: kurz dribbeln, dann Abschluss mitzählen 25 Min.

Dazu die Regel, die im Vereinstraining gilt: Im Aufwärmen und beim Passen ohne Gegnerdruck immer schwacher Fuß. Da kostet ein Fehlpass nichts, und du sammelst jede Woche hunderte Kontakte, die dich sonst nichts kosten.

Wie lange dauert es

Ehrlich: Nach drei bis vier Wochen konsequenter Arbeit merken die meisten einen Unterschied bei Annahme und kurzem Pass. Bis es sich im Spiel natürlich anfühlt, vergeht eher ein halbes Jahr.

Der häufigste Grund, warum Leute denken, es funktioniere nicht, ist, dass sie nach zehn Tagen aufhören. In den ersten zwei Wochen fühlt es sich schlechter an, nicht besser – weil du zum ersten Mal bewusst merkst, wie schlecht der Fuß ist.

Die drei Fehler

Zu früh schießen. Schüsse machen Spaß, deshalb fangen alle damit an. Ohne Ballgefühl und Standfuß wird daraus nur Frust.

Abwechseln. „Ein Kontakt rechts, ein Kontakt links“ fühlt sich produktiv an, ist es aber nicht. Der schwache Fuß braucht ganze Einheiten für sich allein.

Im Spiel wieder zurückfallen. Das Training ist nichts wert, wenn du im Spiel weiter den halben Schritt machst. Nimm dir pro Spiel eine Situation vor, in der du bewusst mit links spielst – der Abschlag nach hinten, der Pass zum Außenverteidiger. Eine reicht. Nächste Woche zwei.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter?
So früh wie möglich – je jünger, desto schneller geht es. Aber es ist nie zu spät; auch mit zwanzig verändert sich noch viel.

Brauche ich eine Wand?
Für Stufe 2 ja, und die ist die wichtigste. Eine Hauswand ohne Fenster, eine Garage oder eine Bande reichen.

Was, wenn ich kein Tor habe?
Zwei Hütchen als Ziel. Für Stufe 4 geht es um Genauigkeit, nicht um Härte.

Soll ich im Spiel mit links schießen?
Nur, wenn die Situation es verlangt. Der Sinn ist nicht, den schwachen Fuß vorzuführen, sondern nicht mehr auszuweichen.

Wenn du fertige Übungen willst

In Fußballtraining mit dir selbst zieht sich Beidfüßigkeit durch das ganze Buch – 94 Übungen mit Diagramm, Ablauf und Wiederholungen, 68 davon gehen wirklich allein. Dazu gehört das Prinzip aus Stufe 2: Sobald ein Fehler passiert, fängt die Zählung von vorne an.

Wie du die Einheiten in deine Woche legst, steht in Trainingsplan für Fußballer. Und wenn dich weniger die Technik ausbremst als der Kopf – die Angst vor genau dem Fehlpass, um den es hier geht – dann lies Mentaltraining im Fußball.

Alle Trainingsbücher: Training.


Über den Autor
Randy Manu Gyamenah ist Gründer von Focused Plyrs und aktiver Fußballspieler. Er hat für über zehn Vereine gespielt, darunter Hamburger SV, Schalke 04 und Erzgebirge Aue, und ist heute in der Regionalliga aktiv. Mehr über Randy Manu Gyamenah.